Großstadt-Chronisten // Ein Chaos-Gedicht

Es bohrt sich in meine Hirnwindungen: Das Flugzeug aus Tegel.
Übrig bleiben: Immer länger werdende Kondensstreifen.

Es bohrt sich in meine Hirnwindungen: Ein Flaschenzug.
Übrig bleiben: Aufgeräumtes Chaos und große Leere.

Es bohrt sich in meine Hirnwindungen: Eine aufgeregte Schwalbe.
Übrig bleiben: Drei von sechs Jungen.

Weil nichts bestand hat, weil alles vorbei rauscht,
Weil Alt mit Jung tauscht und Leere sich aufbauscht.
Und ich angle nach einem klaren Gedanken, der für immer bleibt,
der Dir die Augen ausreibt und sich selber schreibt.

Aussichtslos.

Das Rauschen der Straße heftet sich an mein Gedicht
Statt Kerzen gibt es elektrisches Licht
Die Schwalbe fällt vor Schreck aus dem Nest,
Der Käfer hält sich am Kanapee fest.

Der Stillstand rast haltlos ins Leere.
Die Monotonie quietscht ohrenbetäubend.
Aufgeregtes Auf-Der-Stelle-Treten.
Hysterisches  Sich-in-die-Enge-Treiben.

Die Großstadt-Chronisten auf ihren Dynamitkisten
Drehen leise ihre Kreise,
Schreiben Chaostheorien über Berlin
Während die Schwalben Richtung Süden zieh’n.

Die Großstadt-Chronisten sind immer auf der Flucht,
Springen von Insel zu Insel –
Atemstillstand vorprogrammiert;
Bis man sich im Chaos verliert

Bis man sich im Chaos verliert
Bis man sich im Chaos verliert ..

– und wieder auftaucht.

Da japsen sie nach Luft.
Die Lust hat sie wiederbelebt.
Das Chaos aufzudröseln
Das Leben einzudöseln.

Bis man sich im Chaos verliert
Bis man sich im Chaos verliert
Bis man sich im Chaos verliert …

Papas Romanze mit der Zeit

Menschen, die das Ende eines guten Buches hinauszögern,
Jedes Wort inhalieren, sich mit jedem Bild zudecken:
Das sind doch dieselben Menschen, die Probleme haben
Eine Sache abzuschließen,sie zuzudecken
Und etwas Neues zu beginnen.

Und dann diese Menschen, die niemals einen Roman zu Ende lesen:
Das sind doch jene, die irgendwann ganz aufhören,
Ein Buch in die Hand zu nehmen,
Die aufhören,Geschichten zuzulassen

Und niemals mehr beginnen.

Und dann am Ende jene, die über die Seiten rasen,
Jedes Wort abmähen und einscannen:
Sie verpassen die Pointe zwischen den Zeilen.
Sie verstehen nicht, was nicht verstanden werden soll –
aber das ist doch auch wichtig.

Wie liest du?

Ein Roman kann eine Romanze sein.
Wenn er gut ist, möchte man sich hineinwerfen
Und an das Ende nicht denken.
Doch wenn das Ende näher rückt
Wird man jeden Tautropfen,Jeden Rosengeruch,
Jede Melodie, in sich aufnehmen wollen
Bis der Kelch leer ist.

Ende.

Ein gutes Buch stellt man ins Regal
Manchmal holt man es heraus, fährt über seinen Rücken,
Berührt die guten Seiten einer verflossenen Romanze.
Manche Menschen verborgen ihre liebsten Bücher nicht.

Ein Roman ist eben keine Zeitung
Eine Zeitung ist ein Flirt,
Der, wenn er gut war,
Auf einem Stapel anderer Flirts landet
Falls man nochmal reinschauen möchte,
Was man meistens aber nicht tut.
Deshalb schmeißt man ihn dann irgendwann weg
Oder verbrennt ihn.

Manche Menschen schmeißen ihre Zeitungen niemals weg.

Zum Beispiel mein Vater.
Er hortet Die Zeit,
Falls man nochmal reinschauen möchte, sagt er
In Die Zeit

Dabei wird Die Zeit immer gelber,
Was nicht passieren würde,
Wenn Papa sich trennen könnte.
Aber das kann Papa nicht.
Das hat er noch nie gekonnt.

Das alte Lied …

Der Strudel der Liebe
Macht Worte zu Raketen
Und liquidiert Substanzen
Der Boden bringt den
Küchentisch ins Wanken
Und lässt fallen
Das Frühstück.
Bestehend aus
Zigaretten, Kaffee und Koks<

Zieh' doch auch 'ne Line
Nein, Danke, ich liebe nicht
Berauscht zu sein<
Das ist gelogen!
Ich weiß!
Aber du bist auch nicht
Aufrichtig.
Mit mir.
Da nehm' wa' uns nicht viel
Du und ich
Und die Liebe
Wo soll das nur hinführen?
Erst durstet's einem
Und dann ertrinkt man
An ihr
Immer das Selbe …

Ruby und das Meer

Gestern buk ich zwei Apfelstrudel,
einen hat der Hund gefressen
Als sich das Bug bog, flog der Kapitän
samt Mannschaft ins Meer
Das hab ich vorher auch noch nie gesehn

Ich will mich ja nicht beschweren,
die See frißt Schiffe,
Der Hund meinen Strudel
Besser Apfel- statt Müllstrudel,
hab ich gedacht

Hoffen wir mal, er hat keine Magenschmerzen!

Meine Geister

Bin zart besaitet
Hab mich verkleidet
Zupf die Saiten
Hüpf durch die Zeiten

Kann mich selbst nicht leiden
Kann mir nichts ankreiden
Lass es geschehn
Ohne es zu verstehn

Auf Wiedersehn.

Reißt die Saite
Schrein die Geister
Klettern heiter
Ohne Leiter

Meine Gedanken
Sind vergoldetes Nichts
Meine Geister
Wollen zum Licht

Man lässt sie nicht.

Der Erinnerung Kuss

>Mein Rock war kurz
Die Ohrringe klapperten
Ich ließ mir ein Bier ausgeben
Wehrte einen Kuss ab

Ich gab dem Versucher meinen Facebooknamen
Und löschte ihn nach zwei Monaten
Den Namen hab ich vergessen
Er kam aus Württemberg

Der lustige Tanzbär
Sprach mit den Mäuschen
Herr Halm hatte Shaker dabei
Wir shakerten die Nacht durch

Acht getanzte Stunden
Endeten mit Mondschnecken
Trotz Avancen hatten wir
Einander nicht verloren

Wir schliefen den dritten Oktober durch
Ich erwachte allein in der Dämmerung
Und wusste, dass ich verliebt bin
In jemanden, der gar nicht da war

Ich war so glücklich
Wie ich es als Schulkind nie war
Ich wünschte, wir könnten
Diesen Status quoten

Jetzt ist schon 2014
Und wir sind verwachsen
Nur der Erinnerung Kuss
lässt sich abwehren

Sonst macht mir keiner mehr Avancen

Herzenschein

Wir genossen die weiche Luft der ersten Frühlingstage
und rauchten Demiana im milden Herzenschein.
Unsere Tochter soll Marta heißen, erzähltest du den Sternen.
Nie darf dieser Schein vergehen, dachte ich, als die Kerze erlosch.

Meine Hand haltend riefst du einen Psalm in mich hinein.
Ich verstehe nichts von Religion, sagte ich,
doch ich halt für immer deinen Herzenschein.

Für einen Nachbarn

Wenn deine Hand auf der deines Nachbarn ruht
Hör mal, was sein Herz dann tut
Niemand möchte ohne den anderen sein
Für dein Herz ist die Welt zu klein

Großes fühlst du, großes denkst du
Hörst so, siehst so, sprichst so gern
Die ganze Welt ist dir am Nächsten
Doch du bist dir selbst so fern

Ein Dadadicht

Winter wehen Wolken
Weil‘ und Dauer
Frühlingsschauer.

Augen auf der Heide
Wollen Hirten beide
Sein und haben nicht.

Wenn der Krug zerbricht
Die Liebe auch.
Obwohl es zäh erscheint.

Ein Kind, das weint
Der Jäger auch?
Er hat gefühlt.

Was werden kann
Vielleicht schon ist
Die Maße in Scharen.

Und Rudeln auch
Wenn es sinnlos erscheint
Der Herr, hats gut gemeint.

Partynachtgedicht

Rumdummen, Abzappeln
Rumhüpfen, Anfummeln
Anmachen, Auflegen
Rangehen, Abspacken

Vorglühen, Ausgehen
Wegstecken, Abführen
Volldröhnen, Anstöhnen
Aufmucken, Abspucken

Ohrfeigen, Nasenblasen
Mundlutschen, Augenrasen
Ohrfeigen, Nasenblasen
Mundlutschen, Augenrasen