Von diesen sogenannten Menschen

Mit der Gehhilfe anstehen, vor Fahrstühlen,
Mit dem Hackenporsche am Pfandautomaten:
Jedem sein Gefährt, seinen Automaten,
Jedem seinen Grund, zu warten –

Ein Buggy vor der Softeismaschine,
Ein Ford in der Waschstraße,
Dazu die passenden Geräusche:
Es klimpert und brummt,

Wo Strom fließt,
Wo Werkstoff Wirkstoff wird,
Wo Atem eingeht
Und Beine und Arme

Und alles lahm wird,
Wo der Automat sie einfach abmontiert
Und in die Biotonne wirft
Und nichts mehr verwerten kann

Von diesen sogenannten Menschen.

Zuckermann

Erinnerst du dich noch an die Nacht im letzten August
Als wir in den Dünen lagen?
Wir drehten Finger in den Zuckersand
Und ich küsste deine Zuckerhand.

In deinem Arm bin ich drei kleine Tode gestorben.
Der Mond war unser Zeuge.
Wir ertränkten ihn im nassen Salz,
Wasser perlte dir vom Zuckerhals.

Oh Zucker, Zucker Baby,
keiner durft erfahrn von dieser Nacht,
Auch nicht die Sterne.
Ich schoss sie ab mit einem Schilfrohr
Und ich hauchte in dein Zuckerohr:

Oh Zucker, Zucker Baby
Ich grab ein Loch für morgen,
Wenn all die andern fragen.
Frag auch du nie nach dem wahren Grund,
Halt für immer deinen Zuckermund.

Oh Zucker, Zucker Baby,
ich vermisch dich mit dem Zuckersand<
Und vergrab dich in den Dünen.
Dann kommt kein anderer jemals ran,
An meinen Zuckermann.

Zeichenzersetzer

generiertes du 
degeneriertes ich, du 
sollst mein halter sein, bitte 
rede nicht von töpfen 

und deckeln, wir 
brechen konventionen, leben 
in kontemplationen 

sowieso so henkelhalter du, ich 
gefäss mit bodenloser frechheit, in 
meiner losen zusammenstellung habe ich mich 

gefunden ich frecher hund, so 
ein zeichenzersetzer 
mein zeichensetzer 

ist verschwunden mit seinem 
verschwinden falle ich frei 
in zeichenlosigkeit in sehnsüchtige 

gedanken ohne ende punkt und komma, du 
sollst mein halter sein, ich 
dein frecher hund, wir 

sind zeichenlos 

Kachelofen

Jetzt wieder: Zeit für zwei Decken.
Zeit für einen zweiten Menschen unter den Decken.
Zeit genommen, der Erinnerung der Decken zuzuhören.

Zeit für die Schatten der Zeiger,
der Uhr der Jahreszeiten.
Zeit die Stimmen zu hören, die sagen:
Es ist Zeit für den ersten Tee des Tages.

Hast du den Ofen angefeuert?
Aber wieso? Unsere Liebe ist so kalt, so kalt.
Wir müssen frieren.
Wir müssen hier liegen und erfrieren.
Es ist Zeit.

Die Katze schläft in Ofennähe, sie schnurrt.
Meine Decke ist von Innen heiß
Und außen ganz kalt.

Der Aschestaub deckt mich zu,
bis ich unter ihm verschwinde.
Zeit, die Möbel abzuwischen,
Zeit, neue Kohlen zu bestellen.

Wer hat die Kohlen bestellt?
Schon wieder teurer geworden als letztes Jahr.
Der Kohleschlepper hat raue Wangen
Und eine tiefe Staubstimme.
Du bist nicht da gewesen,
deshalb erzähle ich es dir.
Es ist Zeit.

Heute wieder Kohlen geschleppt.
Und wieder Kohlen geschleppt.
Und wieder Kohlen geschleppt.
Manchmal kommt Karl und hilft
Kohlen schleppen.
Du kommst nicht mehr Kohlen schleppen.
Und das tut mir leid.

Brasilianer in Berlin (Aus der Bahn 8 / 12)

2014-07-16 11.02.10In der U8 mir gegenüber sitzt ein dunkelhäutiger Mann mit kleinen, geflochtenen Zöpfen. Neben ihm blättert ein blondes Mädchen in der „Brigitte“.

Brasilien!“, ruft der Mann freudig und zeigt in ihre Zeitschrift. Ich frage mich, ob die beiden sich kennen. „Ja, das ist die brasilianische Flagge. Da ist ja grad die Fußball-WM.“, antwortet sie und lächelt. Sie kennen sich nicht.

Mein Land!“, sagt er und während er auf ein Foto zeigt: „Rio de Janeiro! Da bin ich geboren!“.„Aber viele nackte Frauen!“, setzt er hinterher und zieht dabei eine Augenbraue hoch. In der Zeitschrift posieren vier brasilianische Bikinischönheiten – Gesicht und Hintern in die Kamera gedreht. „Ja“, sagt das blonde Mädchen, „In dem Artikel geht es um Beautywahn in Brasilien.“ Sie kräuselt dabei ihren Mund und zupft mit schwitzigen Fingern an den glänzenden Heft-Seiten als sei es ihr peinlich, dass ihr Frauenmagazin jetzt so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch dem Brasilianer scheint aufgefallen zu sein, dass er das Mädchen in Verlegenheit gebracht hat.

Uh, die Wetter heute … schwer, oder?“, lenkt er ab, zupft dabei sein T-Shirt als wolle er sich lüften, schüttelt den Kopf und schaut mich erwartungsvoll an. „Ja, ist schwül heute. Man kriegt schwer Luft.“, bestätige ich. Weil ich meine, das Gesagte ebenfalls gestisch unterstreichen zu müssen, rümpfe ich dabei die Nase und nicke energisch. Der Mann nickt freudig mit. „Eigentlich ich nicht U-Bahn, weil is immer so swüle Luft, nä? Aber heute: Is weiss auch nis. Aber wieder so swüle Luft!“, sagt er und geht dabei mit der Stimme hoch. Ich nicke und freue mich. Es erfrischt mich, in der U8 einen normalen Menschen getroffen zu haben. Einen, der eigentlich nicht U-Bahn fährt. Der über Brasilien redet, ohne über die Fußball-WM sprechen zu wollen oder gar über freizügige Bikinischönheiten.

Als ich an der Bernauer Straße aussteige, winken wir uns noch zu. Durch die Scheibe beobachte ich wie sich ein Neukölln-Hipster auf meinen Platz setzt. Auch er wird ohne Umwege von dem Brasilianer angesprochen. Beide verschwinden mit einem Lächeln im Gesicht im U-Bahntunnel.

So einen Brasilianer in der Berliner U-Bahn zu treffen, denke ich, ist gar nicht so wahrscheinlich. Schätzungsweise 15-20.000 Brasilianer leben in Berlin. Wer mal einen getroffen hat, weiß wenig Negatives zu berichten, außer vielleicht, dass der fröhliche Südamerikaner ihm seine eigene Jammer-Mentalität vor Augen geführt hat. Aber in der Regel mag und respektiert man sich. Vor allem, wenn es um Fußball geht.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland vor acht Jahren wurden in Berlin Brasilianische Fußballspieler an die Wand gemalt. Am Schlesischen Tor prangte Ronaldinho, an der Friedrichstraße Ronaldo und auch hier in der Bernauer Straße wurde eine Fassade verziert. Vom Mauerpark aus war er lange gut sichtbar, der Fußballer Roberto Carlos. Über dem Bild stand: „Welcome to Berlin. Brazilian Team.“

Ist es noch da? Entgegen meinen Erwartungen existiert es noch. Nur sieht man es nicht mehr. Vor dem Haus steht ein Neubau. Unter den Eigentumswohnungen, im Café des Biomarktes sitzen zwei aalglatte Geschäftstypen in der Sonne und tun so, als ob Geldverdienen und Urlaubmachen ein und dasselbe wären. Die Immobilienfirma, die den Klotz bauen ließ, wirbt mit „best of both worlds“, dem „berühmten Mauerpark“ und dem „unglaublichen Sonntagsflomarkt“. Ist denen eigentlich klar, dass es den Flomarkt bald nicht mehr geben wird? Vielleicht wissen es ja wenigstens die Kaufinteressenten … Einige Wohnungen sind nämlich immer noch zu haben.

Ich schlage vor, den Klotz bei eventuellen Verkaufsproblemen kostengünstig Berliner Brasilianern zu überlassen. Als Entschädigung für die freche Entstellung des Wandgemäldes, die schwüle Berliner U-Bahnluft und natürlich für das 1:7 gegen Deutschland.

Teil 1: Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951)

Von 1906 – 1908 Maschinenbau-Student an der Königlich Technischen Universität zu Berlin

Wittgenstein+in+1905+$28aged+16$29Es war irgendein Montag in irgendeinem Monat im Jahr 1907, als der 18-jährige Ludwig einen folgenschweren Entschluss fällte. Entscheidungen hatten bis dato immer andere für ihn übernommen. Sein Vater Karl, der Stahlmagnat, war einer der reichsten Männer in Österreich-Ungarn. „Geh nach Berlin! Mach deinen Doktor!“, hatte der gesagt. „Werd Unternehmer! Wie dein Vater!“, setzte er nach.

Der Vater war kein Mann der vielen Worte, er ließ Taten sprechen. Und Musik. Richard Strauss, Gustav Mahler und Johannes Brahms gingen bei den Wittgensteins in Wien ein und aus und Paul, Ludwigs exzentrischer Bruder, war ein Virtuose am Piano. „Ein Künstler und zwei Freitote in der Familie genügen!“, hatte der Vater gesagt.

Ohnmächtig war Ludwig dem Wunsch des Vaters gefolgt. Auch wenn er tief im Inneren spürte, dass ihn ganz andere Geister umgaben. Es war gerade mal drei Jahre her, dass sein ältester Bruder Rudolf sich hier in Berlin das Leben genommen hatte. Ein lebensmüder, homosexueller Lebemensch und der beste Bruder der Welt – verlebt. Viel zu schnell.

Ludwig fand in sich die ernüchternde Erkenntnis, dass alles, was ist, viel zu schnell verfliegt, wie ein betörender Geruch oder ein schöner Augenblick.

Wie lässt sich das Gewesene konservieren? Und was ist beständig?

Wenn wirklich gar nichts bliebe, würde Ludwig nicht länger zögern und es seinem Bruder gleich tun!

Ludwig fuhr hoch. Vom eigenen Gedanken erschrocken. Der hochverehrte Professor Georg Schlesinger stand am Pult und erzählte etwas über DIN 8580 ff. Oder DIN 69651? Genau genommen interessierte es Ludwig nicht. Es war auch gar nicht sein Gebiet, hatte er sich doch auf flugtechnische Fragen spezialisiert. Er wollte bald einen Flugzeugmotor bauen. „Wenn alles verfliegt“, dachte er, „dann will ich wenigstens mit!“.

Ein durchaus konsequenter Entschluss, doch seine Gefühle und Gedanken flogen chaotisch durcheinander.

Spielt es eigentlich so eine große Rolle, was man sagt, wenn man weiß, wer man ist?“, dachte er. „Erklären wir uns mit unserem Gefasel nicht vielmehr ununterbrochen selbst, dass wir keine Antworten auf irgendetwas haben, und uns unsere Ungewissheiten und Zweifel nur tot zu reden versuchen.“ – Ludwig dachte zu viel nach. Doch im Nachdenken fand er am ehesten den Ruheort, den ihm weder Familie noch Studium geben konnten. „Die Abstraktion des Unaussprechlichen“, dachte er jetzt, „ist in seiner Irrelevanz das eigentlich Ehrliche.“, und strich dabei sanft über den Rücken eines Buches. „The Principles of Mathemathics“, sagte er.

Wie meinen?“, wollte Professor Schlesinger wissen. Ludwig erschrak. Er hatte nicht bemerkt, dass der Dozent neben ihm stand und ihn herausfordernd beäugte. Ludwig erhob sich von seinem Sitzplatz. „The Principles of Mathemathics“, wiederholte er, während er das Buch in die Höhe hielt, „von Bertrand Russell.“

So, So …“, sagte der Professor, „Nun setzten Sie sich mal wieder hin, ja?“

Einige Kommilitonen lachten. Ludwig musterte sie mit einem so durchdringenden Blick, dass sie augenblicklich wieder verstummten. Er wollte diesem Professor Schlesinger ja gern besser zuhören. Aber er wollte auch gern diesen Bertrand Russell kennenlernen. Alles wäre so viel einfacher, wenn er einfach diesen verflixten Flugzeugmotor bauen würde. Wenn die düsteren Gespenster hinter seiner Stirn endlich Ruhe geben würden, dann würde es ihm vielleicht als einzigen Wittgenstein-Bruder mal gelingen, ein ganz normales Leben zu führen. Ohne Exzesse, Freitod und Manien. Aber es half nichts. Er war ein Wittgenstein. Ludwig Wittgenstein. Und er wird seinen Weg gehen …

Was kurz danach geschah:

1908: Diplom Maschinenbau

1911: Studium bei Bertrand Russell, Cambridge (UK)

1922: Veröffentlichung des „Tractatus Logico-Philosophicus

Ein unsterblicher Satz:

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

Im September erwacht zum Leben:

Johann Gottlieb Fichte – Kant-Verehrer, Wissenschaftstheoretiker, Freimaurer, Napoleon-Gegner und erster Rektor der Berliner Universität zu Berlin

 

Offener Himmel, offenes Meer

Ich war Schwemmholz im Atlantik,
Überreste eines gesunkenen Schiffes
nach einem Sturm auf hoher See.
Meine Einzelteile zerstreuten sich
über den Ozean.

Ich traf auf einen Strand,
Eine Bucht, die das Meer umarmt,
Mit warmem, weichem Sand.

Du nahmst mich auf,
Fügtest mich zusammen,
Bautest eine Hütte aus mir.

Legtest dich hinein,
Richtetest mich ein,
Schriebst Gedichte in mir.

Jetzt, endlich im Trockenen,
Träumst du vom offenen Himmel
und ich träum‘ vom offenen Meer.

Kopfspiel

Hallo Spieler,
Du siehst komisch aus!
Ach, jetzt komm ich drauf!
Du hast die Mütze gar nicht auf!

Ach, da ist noch mehr!
Das irritiert mich jetzt sehr!
Dein Kopf ist weg!
Wo hast du ihn versteckt?

Wo ist dein Kopf geblieben?
Hast du ihn liegen gelassen?
Wer hat ihn dir geklaut?
Gibt es für Köpfe Kassen?

Wird der Dieb dafür bezahlen?
Willst du ihn ewig hassen?
Gibt es Werkstätten,
Die dir ’nen neuen verpassen?

Trainer, du stellst die richtigen Fragen!
Ich habe mit meinem Kopf gespielt
Als ich zum Tor schoss, dachte ich,
Ich hätte gut gezielt

Doch mein Kopf knallte gegen den Pfosten
>Jetzt: Totalschaden wegen Vollpfosten!
Ich habe mein Gesicht verloren
Steh‘ wie ein Depp vor vielen Thoren.

Wo ist mein Kopf geblieben?
Ich möchte eine Vermisstenanzeige aufgeben
Nein, nicht einwechseln! Ich bin nicht verrückt!
Mein Kopf ist nur verunglückt!

Wo ist mein Kopf geblieben?
Wahrscheinlich ist er davon gerollt!
Wer weiß, in welchem Graben er liegt
Nicht, dass ihn der Gegner kriegt

Trainer, hast du meinen Kopf gesehn?
Ich bin nur noch von Hals bis Zeh,
So wie ich hier steh
Bin ich kopflos.

Hilf mir, meinen Kopf zu finden!
Beim nächsten Mal werd ich ihn fester binden
Und gewährst du mir ein weiteres Spiel
Trainer, ich versprech’s, dann treff‘ ich das Ziel!

Spieler, du hast den Kopf verloren!
Ich werde dir bei der Suche behilflich sein
Gib‘ gut Acht auf ihn, und trainiere fein
Dann geht er beim nächsten Mal auch rein.

Ich versprech’s dir Trainer,
Das kommt nie wieder vor!
Der nächste Kopfschuss
Geht ins Tor.

Die alten Wilden vom Helmholtzplatz (Aus der Bahn 7 /12)

berlin_sky21.jpg

Am Helmholtzplatz wird wochentags ein ganz besonderer Ohrenbrei angerührt.

In der Raumerstraße wird fleißig an der Fassade gearbeitet. Bauschutt rutscht fröhlich in Container, Bohrmaschinen winden sich in alte Raufasertapeten, Arbeiter schreien sich Befehle zu, die alle mit „kurva“ enden. Von der Seite trägt der Wind manchmal den Spielplatzteppich heran. Zwei Kinder klappern mit den Buddelförmchen und auf einer quietschenden Schaukel hängt die erschöpfte Tochter einer tiefenentspannten Prenzl’berg Mutti in den Seilen.

Der hell-dumpfe Aufschlag eines Tischtennisballs streut sich wie Salz in die Mahlzeit. Die Kellen werden von zwei Halbstarken geführt, die gekonnt die Becksflaschen auf der Platte umspielen. Nach jedem Ballverlust nehmen sie einen Schluck: gluck, gluck, gluck.

Langsam brodelt sich der intensive Geschmack getrockneter Wildkräuter durch den Brei. Eines dieser nicht mehr ganz so jungen wilden Kräuter packt seine E-Gitarre aus und wippt selbstgefällig. Fünf von ihnen sitzen auf Stühlen im Kreis und grummeln in sich hinein. Es sieht so aus, als ob sie Karten spielen.

Auf einmal kommt ein anderer angeradelt, wie von einer Hummel gestochen, und schmeißt sein Fahrrad scheppernd zu Boden. Die Gitarre verstummt kurz. Der Aufgebrachte zieht einen der Herumsitzenden gewaltsam aus dem Kreis. Das Grummeln wird kurz einheitlich und laut. Der Brei beginnt zu kochen.

„Du Arsch!“, schreit er und andere Kraftausdrücke. „Ich hab‘ auch Hunger, man! Haste schön gefressen, ja?“ Dabei schupst er ihn über den Platz. Es stellt sich heraus, dass er vergeblich auf seinen Kollegen an der Suppenküche in der Kuglerstraße gewartet und nun, zwei Uhr nachmittags, immernoch nichts gegessen hat. „Hier haste was …“, sagt der Untreue schwerfällig und hält ihm die Reste seiner Chinabox hin. Der andere schlägt ihm das Essen aus der Hand und ohrfeigt ihn.

Einer aus der Kartenspieler-Runde, die gar nicht Karten spielt, bittet um Ruhe. Daraufhin schmeißt die Furie die Aktentasche des untreuen Kollegen auf den Boden. Es fallen Schriftstücke heraus. Der Besitzer sammelt, nun doch etwas nervös, seine Sachen ein und schlürft davon.

Der Geschmack der Wildkräuter verfliegt langsam. Der Baulärm gewinnt wieder Überhand. Dem Hungrigen reicht man ein Bier. Und der Vogelfreie wird an der Bank sechs Meter weiter empfangen – ebenfalls mit einem Bier.

Na dann Mahlzeit!

Schwärmerei

Gedichte sind Schwärmereien
Wenn man für jemanden schwärmt,
Schreibt man ein Gedicht.

Kurzgeschichten sind Affären
Oft gibt es Täter, Opfer
Oder gar Tote.

Der Roman ist eine Liebe.
Das Debüt ist manchmal schon der Bestseller,
So gewinnbringend,
Dass man lebenslang von ihm zehrt.
Meistens werden Romane mit der Zeit reifer …

Eine Autobiografie ist Selbstbefriedigung auf hohem Niveau.
Jeder darf zuschauen.
Man beginnt mit ihr, heimlich und unbeholfen,
In Form eines Tagesbuches,
Und man endet mit ihr, wissend und selbstgefällig,
Bevor man stirbt.

Die Satire ist das Sahnehäubchen
Und passiert nur recht selten.
Sie ist ein Intermezzo an einem ungewöhnlichen Ort
Mit einem Unbekannten.
So überraschend, dass man dran zweifelt,
Ob sie wirklich geschah.

Aber vorsichtig!
Die Pointe kann in Form von Nachwuchs kommen
Und dessen Aussehen ungewöhnlich sein
Schnell ist man Vormund eines Allienbabys.
Das frisst einem die Gedanken aus dem Kopf.
Schluss mit Gedichten und Romanen.

Bist Du einmal im Satiregeschäft,
Kommst Du nur schwer wieder los.
Dreht Dir jemand ein Alienbaby an?
Dann lauf so schnell du kannst
Oder nimm‘ es
Und mach ’nen bess’ren Menschen draus.