Teil 5: Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Von 1818-1831 Lehrtätigkeit an der Berliner Universität

1831_Schlesinger_Philosoph_Georg_Friedrich_Wilhelm_Hegel_anagoriaEin guter Redner soll Hegel nicht gewesen sein. Als „grämlich“, „mit niedergebücktem Kopf“ und einer „Naivität des überwältigendsten Ernstes“ wurde er von einem seiner Schüler beschrieben. Trotz Missbehaglichkeit teilte jener Schüler jedoch mit vielen anderen eine große Bewunderung für diesen kauzigen Professor mit dem schwäbischen Akzent.

Hegel beabsichtigte, seinen Zuhörern nichts geringeres näher bringen, als den absoluten Geist in der Natur, die Weltseele, und damit ein philosophisches System, das Religion, Geschichte, Politik und Sittenlehre gleichermaßen mit einbezieht. Aufbauend auf Kants Metaphysik, diese selbstsagend verbessernd und vollendend, zieht das Hegelsche System seine Erkenntnisse aus der Lebenswirklichkeit und nicht, wie bei Kant, dem abstrakten Denken; bezieht sich nicht auf das Ding-an-Sich, sondern dem Wesen der Dinge, denn dieses sei Manifestation des Absoluten.

Das Wesen der Dinge sei nach Hegel dialektisch. Als Beispiel nannte der Philosoph die Liebe, die ein Moment der Entfremdung und des Selbstbewusstseins, der Entfernung und Annäherung gleichermaßen enthielte. Ebenso sei auch das Absolute dialektisch und im ständigen Fluss.

Was Hegels Zuhörer zu lernen hofften, war also nichts Geringeres als das Leben und einen adäquaten Umgang mit der Wirklichkeit. In Zeiten des politischen Umbruchs sehnten sie sich nach neuen Werten. Nach siebenjähriger Besetzung Preußens durch Napoleons Truppen, war es 1819 zu den Karlsbader Beschlüssen gekommen. In deren Folge wurden im Zuge einer sogenannten Demagogenverfolgung zahlreiche Intellektuelle Opfer von Zensur und Inhaftierung. Hegel vermochte den Eindruck zu vermitteln, in dieser zerrütteten Zeit ein zukunftsweisendes philosophisches Konzept aufzubringen.

Hegel soll ein leidenschaftlicher Gesellschaftsmensch gewesen sein, der öffentlich Religionskritik übte, sich stets zu politischen Ereignissen äußerte, und weder die Auseinandersetzung mit seinen Kollegen, noch Weinlokale und Frauen scheute. Es kursierte gar das Gerücht von einem Streit zwischen Hegel und Schleiermacher, der in einer Messerattacke mündete. Die beiden Philosophen sollen noch am gleichen Tag versucht haben, den Redereien der Leute über den unangenehmen Vorfall mit einem gemeinsamen Besuch im Vergnügungspark entgegenzuwirken.

Hegels Leidenschaft mag ihm zu großen Teilen zu seinem Erfolg verholfen haben. Dass Hegel jedoch überhaupt die Möglichkeit erhielt, 1818 den äußerst gut bezahlten Lehrstuhl in Berlin zu erhalten, war seiner positiven Einstellung zur konstitutionellen Monarchie zu verdanken, die er in einem Aufsatz über die Landesstände des Königreichs Württemberg zum Ausdruck brachte. Im Einvernehmen des Kulturministers und Friedrich Wilhelm III., sollte Hegel zum preußischen Staatsphilosophen avancieren. Hegels unsteter Geist mag dafür verantwortlich gewesen sein, dass er der ihm zugeteilten Aufgabe nicht vollends genügte. So wurde der Philosoph selbst Opfer der Zensur, in politischen Affären wurde ihm widersprüchliches Verhalten nachgesagt.

Eine andere Anekdote möchte zeigen, dass Hegel in letzter Konsequenz sogar von seiner Leidenschaft in den Tod getrieben wurde. Uneinig sind sich Biografen nämlich darüber, ob Hegel an der asiatischen Cholera oder einem Magenleiden starb. Der Biograph Althaus mutmaßte, dass eine Aktion des Hegelianers Eduard Gans Hegel dermaßen in Wallungen gebracht haben muss, dass er zwei Tage später verstarb. Der ehemalige Schüler hielt eine Vorlesung über Hegels Philosophie, versprach, diese in einfacheren Worten zu erklären, fertigte jedoch für seine Hörerschaft einen Aushang an, in dem er dazu aufrief, Hegels Vorlesung trotzdem zu besuchen (auch, wenn sie so unverständlich ist). Hegel soll diesen Aushang gesehen und sich von ihm dermaßen gekränkt gefühlt haben, dass er das Ende seiner akademischen Laufbahn nur noch mit seinem Ableben besiegeln konnte.

Ein unsterblicher Satz:

Alle großen weltgeschichtlichen Vorgänge ereignen sich zweimal: Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce!

Im März erwacht zum Leben: Lou Andreas-Salomé – russisch-deutsche Schriftstellerin und Psychoanalytikerin, die enge Kontakte zu Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud hegte.

(Veröffentlicht in den Prenzlberger Ansichten, März 2015)

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