Zeit auf der Bank

timebankingHeute lernte ich Andreas kennen. Der ehemalige Berliner und sein Jack Russel Otto wohnen in Cirencester in Süd-Westengland. Andreas arbeitet für „Fair Shares“ und handelt mit der Zeit anderer Leute. Egal, ob Fahrer, Massage, Klavierunterricht, Kuchenbacken, Reparatur oder Hundesitting: Die kleinen Dinge des Lebens gibt es bei „Fair Shares“ kostenlos für „time credits“. Für eine Stunde Arbeit verdienen die Mitglieder einen Zeitpunkt, den sie nach Belieben eintauschen können. Ganz egal, bei welchem Anbieter.

Für unsere soziale Arbeit in Glouchestershire (z.B. im Nelson Trust in Stroud) bekommen wir wöchentlich 6 Zeitpunkte. Heute baten wir die Organisation „Fair Share“ darum, uns unsere Wünsche zu erfüllen. Es stellte sich heraus, dass eine Akupunktur und auch Reiki leider schwer zu machen sind, wobei Gitarrenunterricht und ein Nähkurs eventuell möglich wären. Andreas erzählte uns, dass Zeitbanken (Time Banking) hauptsächlich in der Großstadt genutzt werden, obwohl es viel wichtiger wäre, die ländlichen Regionen zu fördern, da hier besonders wenig Lebenshilfe angeboten wird. Zu einem besonderen Anliegen der Organisation gehört es, älteren Menschen unter die Arme zu greifen.

Zeitbanken antworten auf den demografischen Wandel mit einem lebenslangen zinsenfreien Zeitkonto. Mit 70 könnte man dann die Füße hochlegen und die jungen Leute für sich einkaufen, ein Buch vorlesen, oder den Garten pflegen lassen. Eine wunderbare Idee sind Zeitbanken aber auch für junge Menschen mit einem eingeschränkten Budget. Schließlich kann man  landesweit Zeit von seinem Konto abbuchen. Wenn ich mir also in Berlin 10 Zeitpunkte erarbeite, kann ich diese 20 Jahre später in Klein Twülpstedt einlösen, sofern es bis dahin dort einen Zeitbank-Sitz gibt und mich was-auch-immer an diesen Ort verschlägt. Für die Zukunft sind sogar länderübergreifende Zeitkonten geplant.

In Deutschland gibt es zwar auch Zeitbanken, allerdings seien diese laut Andreas von „Fair Shares“ bisher lange nicht so weit gestreut wie im Vereinigtem Königreich. Die deutsche Regierung hätte bisher ein Problem damit, die Zeitbanken zu unterstützen, weil sie dadurch Steuergelder einbüßen würde. Vielleicht ein Thema für die nächste Online-Petition?


Hier schreibt die TAZ über die Zeitbank in München (Artikel von 2009).

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